Fragen & Antworten
Es stellen sich viele Fragen an einen Bürgermeisterkandidaten.
Hier finden Sie alle Fragen an mich und meine Antworten dazu.
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Frage: Der Töpfermarkt hatte 2024 ein dickes Minus in der Kasse hinterlassen. Wie kann sich die Marktgemeinde diesen renommierten Markt bei angespannter Haushaltsituation leisten? Gibt es Ideen?
Roland Kratzer: Der Töpfermarkt ist kein Kostenfaktor, sondern Dießens wichtigstes Aushängeschild. Er sorgt für volle Orte, Rekordumsätze im Handel und in der Gastronomie sowie Einnahmen für Vereine und Parkgebühren. Die Idee ist klar: Kosten im Blick behalten, Nutzen für den ganzen Ort sichern – und nicht am falschen Ende sparen.
Frage: Kinder haben bereits einen Anspruch auf Kindergartenplätze, in diesem Jahr kommt die Ganztagsbetreuung ab der 1. Klasse Grundschule dazu. Wie wollen Sie Dießen rüsten?
Kinder haben Anspruch auf Kita, nun kommt die Ganztagsbetreuung ab Klasse 1. Dießen muss vorausschauend planen: Räume, Personal, Kooperationen. Gleichzeitig gilt das Konnexitätsprinzip: Wer neue Pflichten beschließt, muss sie bezahlen. Gute Betreuung ja, kommunale Haushaltsakrobatik nein.
Frage: Die Huber-Häuser werden in der nächsten Amtsperiode ein zentrales Thema sein. Was ist ihr Wunsch für die Zukunft dieser gemeindlichen Immobilie?
Mein Wunsch ist, dass alle zufrieden sind – was bekanntlich unmöglich ist. Die Huber-Häuser werden seit Jahren hochkomplex diskutiert, besonders auf dem Markt Dießen. Hier geht’s nicht nach Wunschzettel, sondern erst um einen soliden Kosten- und Finanzierungsplan für die Ideen aus der Ideenwerkstatt. Dann schauen wir, was wirklich machbar ist. Notfalls mit Bierdeckelrechnung.
Frage: Das Rathaus hat zuletzt personell enorm aufgestockt, was hohe Kosten verursacht. Gibt es Einsparungspotenzial?
Einsparpotenzial? Ja, gibt es. Mitarbeitende wechseln selten wegen Geld, meist wegen Führung. Wenn die Kämmerei dreimal neu besetzt wird und das Bauamt ein Durchlauferhitzer ist, ist das kein Personalmangel, sondern ein Führungsproblem. Gute Führung ist günstiger als Dauer-Neuausschreibungen.
Frage: Wie sind Sie zur Politik gekommen und welche Motivation treibt Sie an?
Zur Politik bin ich gekommen, weil ich Verantwortung für die Entwicklung meiner Gemeinde übernehmen wollte. Mich motiviert, Entscheidungen nachvollziehbar vorzubereiten, finanziell solide umzusetzen und dabei stets die langfristigen Folgen für kommende Generationen im Blick zu behalten.
Frage: Ergänzen Sie bitte diesen Satz: Ich werde ein guter Bürgermeiste für Dießen, weil ich Verantwortung ernst nehme, Entscheidungen auf Grundlage von Wahrnehmung und Fakten treffe und sie konsequent umsetze. Ich stehe für finanzielle Vernunft, Transparenz und den Mut zur Veränderung – damit Dießen nicht verwaltet, sondern gestaltet wird.
Frage: Uns interessiert Ihre Meinung zum Tagesordnungspunkt 4 „Projektvorstellung "Zukunftsraum Ammersee" Information und Entscheidung zur Projektförderung“
aus der Gemeinderatssitzung vom 26.01.2026:
„Zukunftsraum Ammersee“ bringt frische Impulse für Gewerbe, Innovation und Zusammenarbeit in Dießen. Als Netzwerk und Ideenschmiede stärkt das Projekt Unternehmen, bietet die ‚Möglichkeit neue Betriebe anzuziehen und kann den Ortskern beleben. Davon profitieren alle: mehr Arbeitsplätze, attraktive Angebote und eine hohe Lebensqualität in unserer Region. Die Projektstartphase ist zunächst auf sechs Monate angelegt. Dafür sind insgesamt 20.000 Euro durch den Markt Dießen vorgesehen, das Strascheg Center sowie weitere Fördermittel und Partner. Ziel ist es, in dieser Zeit eine tragfähige Grundlage für die langfristige Weiterführung des Projekts zu schaffen. Das Projekt ist zunächst auf 5 Monate begrenzt. Das Ergebnis wird zeigen, ob es sinnvoll daran weiterzuarbeiten.
Mir gefällt der Ansatz und ich sehe Chancen darin. Die Kosten sind überschaubar. Näheres in der Präsentation.
Frage: Wie sieht es mit günstigem Wohnraum im Ortskern aus?
- Die Räume im ehemaligen "Krempels" waren zuletzt zur Erweiterung des Rathauses angedacht; eine Machbarkeitsstudie in 2024 hat ergeben, dass dies kaum realisierbar ist.
- Die ehemalige Gaststätte "Drei Rosen“ wurde bis 2020 durch den Landkreis Landsberg wohnwirtschaftlich genutzt und steht seitdem leer.
Wohnraum für Beschäftigte ist wichtig. Die Gemeinde kann hier bestenfalls "Rahmenbedingungen“ schaffen. "Vermietungen“ gehören nicht zur Kernkompetenz einer Gemeinde. Immobilen wie "Krempels“ und "Drei Rosen“ z. B. für Wohngemeinschaften (Saisonarbeit; Auszubildende) als Zwischennutzung zur Verfügung zu stellen ist machbar und geschieht beispielsweise in Kaufering und Denklingen durch private Anbieter.
Frage: Weshalb stehen gemeindliche Immobilien in Dießen oft lange Dießen leer oder sind ungenutzt (z.B. ehemaliges „Krempels“: ehemaliges „Verkehrsamt/Physio Sana Müller“; „Restaurant“ am oder im Bahnhof)?
Dem Markt Dießen liegt ein „Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK)“, welches für die Gemeinde Ziele und Handlungsfelder für ihre zukünftige Entwicklung definiert, vor. Link auf Dießen: ISEK 2019. Die Kosten für dieses Entwicklungskonzept lagen im mittleren, fünfstelligen Bereich und liegen dem Gemeinderat seit 2020 vor. Leerstände sind generell ein schlechtes Signal für den gesamten Ortskern. Private Vermieter können schneller entscheiden als das im Rathaus möglich ist. Meine berufliche Erfahrung und die ehrenamtliche Arbeit im Prüfungsausschuss der IHK München und Oberbayern in Immobilienangelegenheiten zeigen, wie sinnvoll es ist, private Eigentümer wohnwirtschaftlicher und gewerblicher Immobilien und die Kommune an einen Tisch zu bringen. Eine Bestandsaufnahme sowie klare Perspektiven für Vermietung, Zwischennutzung und eine strategische Entwicklung zu erarbeiten, sollte dabei gemeinsam im Mittelpunkt stehen.
Frage: Wie viel Zeit werden Sie realistisch pro Woche für das Bürgermeisteramt aufwenden, und was sind Sie bereit dafür beruflich zurückzufahren?
Das Bürgermeisteramt einer Gemeinde mit rund 10.000 Einwohnern, über 100 Beschäftigten im Rathaus und als flächenmäßig größte Kommune im Landkreis ist kein Nebenjob. Realistisch werde ich 40 bis 50 Stunden pro Woche für das Amt aufwenden – in intensiven Phasen auch mehr. Mir ist bewusst, dass nicht alles persönlich erledigt werden kann und darf.
Entscheidend sind Führung, Organisation, klare Zuständigkeiten und funktionierende Strukturen.
Welche Ämter, Vereinsfunktionen oder geschäftlichen Interessen haben Sie – und wo sehen Sie mögliche Interessenkonflikte, die Sie offenlegen oder ruhen lassen würden?
Beruflich bin ich seit rund vier Jahrzehnten in den Bereichen Immobilien, Immobilienverwaltung, Finanzierung, erneuerbare Energien sowie Kapitaldienstleistungen tätig. Diese Erfahrung ist kein Risiko, sondern ein Mehrwert für Dießen – insbesondere bei Themen wie Wohnraum, Energie, Infrastruktur und langfristiger Haushaltsstabilität. Meine
Kontakte und mein Netzwerk werde ich im Sinne der Gemeinde nutzen, denn: Netzwerk schlägt Hierarchie. Mögliche Interessenkonflikte werden von mir offengelegt. In Fällen
mit persönlicher oder geschäftlicher Nähe werde ich mich für befangen erklären und Entscheidungen bewußt an meinen Vertreter übergeben. Transparenz ist für mich keine Pflichtübung, sondern Voraussetzung für Vertrauen.
Nennen Sie drei Situationen, in denen Sie sich gegen die eigene Partei/Freunde stellen würden, weil es aus Ihrer Sicht besser für den Markt Dießen ist.
Ich verstehe das Bürgermeisteramt als unabhängiges Führungsamt – nicht als verlängerten Arm einer Partei oder eines Freundeskreises. Drei typische Situationen, in denen ich mich
ausdrücklich gegen Parteiinteressen oder persönliche Erwartungen stellen würde, sind:
- Sachlich falsche oder finanziell riskante Entscheidungen, auch wenn sie politisch opportun erscheinen.
- Ungleiche Behandlung von Bürgerinnen, Bürgern oder Unternehmen, egal von wem sie eingefordert wird.
- Intransparente Verfahren oder Hinterzimmerlösungen, selbst wenn sie aus dem eigenen Umfeld kommen.
Mein Maßstab ist einfach: wahrnehmen – entscheiden – handeln.
Unabhängig davon, für oder gegen wen. Rechenschaft schulde ich nicht der Partei, nicht Freunden – sondern meinem Spiegelbild und den Bürgerinnen und Bürgern von Markt Dießen.
Welche drei größten Investitionsprojekte sehen Sie in den nächsten sechs Jahren für Dießen, und wie sollen diese finanziert werden (ohne ständig Grundsteuer/Gebühren zu erhöhen)?
- Bezahlbarer Wohnraum auf gemeindeeigenen Grundstücken.
Auf den Grundstücken in Romenthal sowie an der St.-Georg-/Prälatenstraße soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Eine Finanzierung durch die Gemeinde selbst halte ich weder für realistisch noch für verantwortbar. Meine Aufgabe sehe ich vielmehr darin, ein genossenschaftliches Wohnungsbauprojekt aktiv zu unterstützen, planerisch zu ermöglichen und politisch abzusichern. So bleibt der Grund im Gemeindeeigentum, Wohnraum wird geschaffen – ohne neue Schulden oder Steuererhöhungen. - Erhalt statt Prestigeprojekte.
In den kommenden Jahren liegt der Schwerpunkt nicht auf neuen Leuchtturmprojekten, sondern auf dem Erhalt bestehender Infrastruktur (Gebäude, Straßen, Einrichtungen). Unterlassene Instandhaltung ist die teuerste Form der Politik. - Zukunftsfähige kommunale Infrastruktur.
Investitionen erfolgen nur dort, wo sie langfristig Kosten senken oder Einnahmen generieren – etwa durch effizientere Nutzung kommunaler Gebäude oder wirtschaftlich tragfähige Projekte. Symbolpolitik auf Pump lehne ich ab.
Wo werden Sie im bestehenden Haushalt kürzen oder priorisieren, wenn Fördergelder ausbleiben oder Zinsen weiter steigen?
Ich halte nichts von unrealistischen Versprechungen:
Wenn Fördergelder ausbleiben oder Zinsen weiter steigen, müssen Prioritäten neu gesetzt werden.
- Freiwillige Leistungen werden auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls zurückgefahren. Das ist im Wahlkampf unpopulär, aber ehrlich.
- Personalkosten müssen zwingend begrenzt werden. Die Steigerung von knapp 3 Mio. € (2020) auf über 6 Mio. € (2025) ist dauerhaft nicht finanzierbar. Hier braucht es Aufgabenkritik, Priorisierung und effizientere Strukturen.
- Maßnahmen nur deshalb umzusetzen, weil es möglicherweise Fördermittel gibt, halte ich für falsch. Erst kommt die Sinnhaftigkeit, dann die Förderung – nicht umgekehrt.
Welche konkrete Obergrenze bei der Neuverschuldung pro Jahr halten Sie für verantwortbar – und was passiert, wenn diese Grenze gerissen wird?
Eine pauschale jährliche Schuldenobergrenze halte ich für weniger sinnvoll als ein klare Grundsätze:
- Neue Schulden nur für „rentierliche“ Maßnahmen, also solche, die mittel- oder langfristig Einnahmen generieren oder Kosten senken.
- Notwendige Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen müssen verursachergerecht über die Betriebskosten abgebildet werden – nicht über immer neue Kredite.
- Die konsequente Abstimmung von Verwaltungs- und Vermögenshaushalt wird eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre sein.
Wenn diese Prinzipien nicht eingehalten werden können, gilt:
Projekt stoppen, verschieben oder absagen – nicht die Zukunft der Gemeinde verspielen.
Wie stehen Sie zu weiterem Flächenverbrauch (Neubaugebiete, Gewerbe) am Ammersee – welche Flächen kämen für Sie überhaupt noch infrage, welche schließen Sie kategorisch aus?
Dießen ist räumlich klar begrenzt: Ammersee, Landschafts- und Naturschutzgebiete bilden einen natürlichen Rahmen. Eine weitere Ausweitung der bebauten Fläche halte ich deshalb für nicht möglich und auch nicht für sinnvoll.
Für mich gilt:
- Kategorisch ausgeschlossen sind neue Bau- oder Gewerbegebiete im Außenbereich, insbesondere in ökologisch sensiblen oder landschaftlich prägenden Flächen rund um den See.
- Möglich und sinnvoll erscheint dagegen eine maßvolle innerörtliche Verdichtung, etwa durch:
- Nachnutzung bestehender Flächen
- Aufstockungen und Lückenschlüsse
- Gewerbeflächen sehe ich – wenn überhaupt – in den Ortsteilen, angepasst an deren Maßstab und ohne zusätzliche Verkehrsbelastung für den Hauptort.
Grundsatz: Innenentwicklung vor Außenentwicklung.
Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen, um Verkehr und Parkdruck im Ort (v. a. in der Saison) zu reduzieren, und bis wann sollen diese umgesetzt sein?
Verkehr und Parken sind kein reines Platzproblem, sondern ein Steuerungsproblem. Meine drei wichtigsten Maßnahmen wären:
1. Parkraummanagement statt Parkchaos
Saisonale Parkregelungen, klare Besucherlenkung und eine konsequente Bewirtschaftung vorhandener Parkflächen – statt ständig neue Stellplätze zu versprechen, die es räumlich gar nicht gibt.
2. Erhalt und sinnvolle Nutzung bestehender Infrastruktur
Die Schließung der Tiefgarage im Ortszentrum halte ich für einen Fehler:
- rund 50 Stellplätze gehen verloren,
- gleichzeitig entsteht eine dauerhafte Belastung des Verwaltungshaushalts von ca. 35.000 € pro Jahr,
- ohne jegliche Einnahmen.
Hier braucht es eine wirtschaftlich und verkehrlich vernünftige Lösung – nicht Symbolpolitik.
3. Verkehrsvermeidung statt Verkehrsverlagerung
Bessere Anbindung des ÖPNV, sichere Rad- und Fußwege sowie klare Besucherinformationen (z. B. digitale Park- und Anreiseinfos), um unnötigen Autoverkehr gar nicht erst in den Ort zu holen.
Zeithorizont:
Kurzfristig (1–2 Jahre) umsetzbar, da es sich überwiegend um organisatorische und politische Entscheidungen handelt – keine Großprojekte.
Welche Instrumente zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wollen Sie konkret nutzen (z. B. kommunaler Wohnungsbau, Erbpacht, Nachverdichtung im Bestand)?
Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch geeignete Modelle.
Auf den Grundstücken in Romenthal sowie an der St.-Georg-/Prälatenstraße soll bezahlbarer Wohnraum entstehen.
Eine Eigenfinanzierung durch die Gemeinde halte ich dabei weder für realistisch noch für verantwortbar.
Mein Ansatz:
- Aktive Unterstützung eines genossenschaftlichen Wohnungsbauprojekts
- Die Gemeinde:
- stellt den Grund zur Verfügung (z. B. im Erbbaurecht),
- ermöglicht das Projekt planerisch,
- sichert es politisch ab.
So bleibt der Boden in Gemeindeeigentum, es entsteht dauerhaft bezahlbarer Wohnraum, ohne neue Schulden und ohne Steuererhöhungen.